Warum Sie so streng mit sich sind

 und es selbst kaum bemerken

Die kleinen Momente, die hängenbleiben

Es sind oft die kleinen Momente.

Nicht die großen Entscheidungen, nicht die offensichtlichen Fehler. Sondern eher das, was jeden Tag ganz selbstverständlich passiert.

>> Sie schicken eine Nachricht ab und lesen sie danach noch einmal.
Ein Satz wirkt plötzlich nicht mehr ganz passend. Sie überlegen, wie der Text nun beim Anderen ankommt. Wird er Sie für unfähig halten?

>> Oder Sie stehen in der Küche, denken an den Tag zurück und bleiben gedanklich genau an den Stellen hängen, die nicht ganz rund waren. Und diese Situationen lassen Sie den ganzen Abend nicht mehr los.

>> Ihnen ist ein Fehler unterlaufen. Statt zu relativieren, wie Sie es bei anderen tun würden, machen Sie sich heftige Vorwürfe, dabei handelt es sich eigentlich um eine Bagatelle.

Das, was funktioniert hat, taucht zwar auch in Ihren Gedanken auf.
Aber es bleibt nicht lange im Kopf.

Für Sie gilt ein anderer Maßstab

Mit uns sind wir viel gnadenloser als mit anderen. Im Alltag finden sich dafür viele Beispiele:

>> Ihr Kind verschüttet etwas. Das ist zwar ärgerlich, aber kein Drama.
Sie selbst sind unkonzentriert oder machen einen kleinen Fehler und es fühlt sich sofort größer an, als es eigentlich ist.

>> Eine Kollegin wirkt unsicher. Nachvollziehbar, die Situation war schwierig.
Sie selbst zögern einmal kurz und hinterfragen direkt Ihre Kompetenz.

>> Oder Sie kommen ein paar Minuten zu spät.  Nach außen ist das kein großes Thema. Innerlich fühlt es sich trotzdem nicht richtig an.
Wenn dagegen jemand anderes sich verspätet, sind Sie großzügig. Kann doch jedem mal passieren.

Es ist, als würden für Sie andere Maßstäbe gelten: Strengere. Engere.
Genau betrachtet ist das ganz schön unfair.

Was gut lief, zählt kaum. Was nicht passt, bleibt im Kopf

Nach einem Gespräch wissen Sie sehr genau, was nicht optimal war. Wo Sie hätten klarer sein können. Wo Sie sich unsicher gefühlt haben.

Was gut lief, ist weniger präsent.

Auch in Trainings und Rollenspielen zeigt sich das immer wieder: Wenn Sie selbst auf dem Prüfstand stehen, sehen Sie vor allem die Fehler, die Sie gemacht haben, und schätzen die eigene Leistung schlechter ein.

Die anderen achten dagegen eher darauf, was gut war. Die kleinen Fehler sind für sie gar nicht so entscheidend.

Es ist dabei noch nicht einmal so, dass Sie bewusst so streng mit sich sind, um sich abzuwerten. Sondern Ihr Blick ist einfach viel stärker auf das gerichtet ist, was noch fehlt. 

Diesen überkritischen Blick auf die eigenen Fehler haben Sie in der Erziehung und in der Schule gelernt, und Sie wenden ihn immer noch an.

Sie erwarten von sich zu viel

Sich selbst gegenüber haben Sie Erwartungen, die ziemlich hoch liegen. Zu hoch.

  • „Das hätte nicht passieren dürfen“
  • „Ich sollte das doch im Griff haben“
  • „So unsicher dürfte ich nicht sein“
  • “Das war ja nichts Besonderes”

Diese Erwartungen wirken selbstverständlich. Fast wie eine innere Orientierung.

Und gleichzeitig würden Sie andere oft ganz anders beurteilen.
Nachsichtiger, realistischer, freundlicher.

Das, was bei anderen „völlig in Ordnung“ ist, wird bei Ihnen schnell zu „nicht gut genug“.

Wenn die Messlatte sich ständig verschiebt

Dazu kommt noch ein anderer, wichtiger Punkt, der vieles verstärkt:

Sie bewerten sich nicht nur nach einem festen, absoluten Maßstab, sondern immer wieder im Vergleich.

Vielleicht fällt es Ihnen im Alltag gar nicht direkt auf, aber es passiert ständig: Sie sehen, wie andere auftreten, wie schnell sie arbeiten, wie sicher sie wirken und ordnen sich automatisch ein.

Das Problem ist: Dieser Maßstab ist relativ. Und er ändert sich immer wieder, je nachdem in welchem Umfeld Sie sich gerade befinden.

Wenn jemand besonders souverän wirkt, erscheint das eigene Verhalten schnell unsicher.
Wenn jemand schneller ist, wirkt die eigene Arbeitsweise langsamer als sie eigentlich ist.

„Gut genug“ wird dadurch kein fester Punkt, sondern etwas, das sich ständig verschiebt.

Gerade im beruflichen Kontext, wo Leistung sichtbar wird und im Fokus steht, fällt dieser strenge Maßstab besonders ins Gewicht. Mit wachsender Verantwortung verändert sich oft auch das Umfeld. Sie vergleichen sich zunehmend mit Menschen, die ebenfalls viel können.

Und ohne es zu merken, steigt Ihr eigener Anspruch immer weiter. Bis er viel zu hoch ist, um ihm jemals zu genügen.

Innere Sicherheit wird unerreichbar

Wenn der Blick vor allem auf Fehlern liegt, wenn die eigenen Maßstäbe sehr hoch sind,  wenn der Vergleich ständig mitläuft, dann wird es schwierig, sich wirklich sicher zu fühlen.

Sie erledigen viele Dinge, tragen Verantwortung.
Und
Sie bekommen bestätigende Rückmeldungen.

Doch trotzdem bleibt da oft ein leiser Zweifel – Ein Gefühl, dass es noch nicht ganz reicht.

Es liegt nicht an Ihren Fähigkeiten – es liegt am Maßstab

Wenn Sie sich hier wiederfinden, schauen Sie doch mal mit einem anderen Blick auf sich und Ihre Situation.

Denn es ist nicht das Problem, dass Sie nicht gut genug sind, sondern dass Sie sich mit einem Maßstab bewerten,  der sehr streng ist.
Und der sich immer wieder verschiebt.

Ein Maßstab, der wenig Raum lässt für Zwischentöne und wenig Raum dafür, dass etwas einfach „gut genug“ sein darf.

Das ist auf Dauer erschöpfend. Nicht weil Sie zu wenig leisten, sondern weil dieser Maßstab es kaum ermöglicht, wirklich anzukommen.

Diese Strenge, die Sie mit sich herumtragen, fühlt sich selbstverständlich an. Fast wie ein Teil Ihrer Persönlichkeit. Aber sie hat sich entwickelt – und sie kann sich daher auch verändern.

 


Wenn Sie verstehen möchten, wie sich solche inneren Maßstäbe entwickeln und warum sie so hartnäckig bleiben:

>> Wie das Impostor-Syndrom entsteht

Und wenn Sie sich fragen, wie sie verhindern können, diese Selbstzweifel auch an Ihre Kinder weiterzugeben:

>> Wie Kinder lernen, an sich zu zweifeln

Sie sind besser, als Ihr Impostor Ihnen weismachen will!

Höchste Zeit, das zu erkennen. Mein kompaktes Workbook zeigt Ihnen die ersten wichtigen Schritte zu mehr Selbstvertrauen.