Wie das Impostor-Syndrom entsteht
Kindheit, Prägungen, Selbstbild
Es fühlt sich an, als wäre es einfach so
Als würden diese Gedanken zu Ihnen gehören. Diese Zweifel. Diese leise Unsicherheit. Dieses Gefühl, nicht ganz zu genügen.
Vielleicht haben Sie sich auch schon einmal gefragt:
- „Warum denke ich eigentlich so über mich?“
- „Wieso fällt mir das so schwer und anderen scheinbar nicht?“
Es wirkt oft, als gäbe es darauf keine richtige Antwort. Als wären diese Gedanken einfach ein Teil von Ihnen.
Doch das stimmt nicht. Diese Art zu denken und zu fühlen ist nicht einfach da, sondern sie hat sich entwickelt. Und zwar in Ihrer Kindheit.
Am Anfang ist jeder ein unbeschriebenes Blatt
Kinder kommen nicht mit einem angeborenen Wissen zur Welt, wer sie sind und wie gut sie sind. Sie wissen auch nicht, wie diese Welt funktioniert und wie sie sich darin einordnen sollen.
Stattdessen versuchen sie, sich an ihnen nahestehenden Personen zu orientieren und Antworten auf ihre Fragen zu finden:
Wer bin ich?
Was kann ich?
Wie funktioniert diese Welt?
Die Antworten entwickeln sie nicht aus Überlegungen heraus, sondern im Kontakt mit anderen. Durch das, was gesagt wird und oft noch viel mehr durch das, was zwischen den Zeilen mitschwingt.
- „Jetzt sei doch nicht immer so dramatisch.“
- „Du warst schon immer eher vorsichtig.“
- „Streng dich ein bisschen mehr an.“
- „Du bist einfach nicht belastbar.“
Ganz besonders prägend ist dabei auch das Verhalten der Erwachsenen. Wie gehen diese mit anderen Menschen um? Was regt sie bei anderen Menschen auf? Wie sprechen sie über Fehler? Wie über Erfolg? Worauf wird besonders geachtet und worauf weniger?
Kinder nehmen all das auf und beginnen, sich daraus ein Bild von sich selbst zusammenzusetzen.
Aus einem unbedachten Satz wird eine Regel
Was für Erwachsene nur ein beiläufig dahingesagter Satz war, kann für ein Kind eine absolute Wahrheit werden.
Nicht, weil es so gemeint war, sondern weil Kinder Dinge oft sehr eindeutig einordnen. Denn es gibt in ihrem Denken oft keine Zwischentöne, sondern vielmehr „gut“ oder „böse“, „absolut richtig“ oder „absolut falsch“.
Und schon entstehen Schlussfolgerungen, die verzerrt sind.
Ein Beispiel – Das Kind hört über sich folgenden Satz: „ Sie ist so klug, sie muss kaum etwas für die Schule tun.“
Dieser Satz macht das Kind zunächst stolz. Es denkt „Ich bin klug. Meine Eltern sind stolz auf mich, weil ich so klug bin.“
Doch gleichzeitig entsteht auf einer tieferen Ebene dabei auch eine Erwartung: Wenn ich klug bin, dann sollte mir die Aufgabe leicht fallen.
Und später, wenn die Anforderungen steigen und es nicht mehr so leicht ist? Wenn Aufgaben länger dauern, wenn Lernen anstrengend wird? Dann passt das plötzlich nicht mehr zusammen. Und ein Kind zieht daraus oft eine einfache Schlussfolgerung: Dann bin ich wohl doch nicht so klug.
So entstehen aus einzelnen Erfahrungen verzerrte Glaubenssätze, die weder dem Kind noch den Eltern so richtig bewusst sind und die nicht mehr hinterfragt werden.
- „Ich muss etwas leisten, damit ich gesehen werde.“
- „Ich darf mir keine Fehler erlauben.“
- „Es zählt nur, wenn es mühelos ist.“
- „Wenn ich Hilfe brauche, kann ich es wohl nicht richtig.“
Diese Sätze werden selten so klar formuliert, aber sie wirken im Unterbewusstsein. Nach und nach werden sie zu starren Regeln, an denen man sich orientiert, ohne es zu merken.
Vielleicht erkennen Sie sich in dem einen oder anderen Gedanken wieder. Oder Sie fragen sich, welche Regeln Sie selbst einmal aufgenommen haben und welche Sie vielleicht gerade, ohne es zu wollen, an Ihre eigenen Kinder weitergeben.
Was widersprüchlich ist, macht unsicher
Ganz besonders schwierig wird es für Kinder, wenn die Rückmeldungen, die sie bekommen, widersprüchlich sind.
Wenn das Kind sehr gute Noten schreibt, aber es von den Eltern das Signal erhält, dass seine Leistung nicht gut genug ist.
Aber auch umgekehrt kann es das Kind verunsichern, wenn die Eltern es übermäßig loben, obwohl es in der Schule nur durchschnittlich oder gar schlecht abschneidet.
In beiden Fällen erhält das Kind widersprüchliche Informationen zu sich selbst. Es wird unterschiedlich bewertet und dann entsteht kein klares Selbstbild, sondern eine Unsicherheit. Ein Gefühl von: „Ich weiß nicht so genau, woran ich bei mir bin.“
Und genau daraus kann später dieses leise Empfinden entstehen, nicht ganz echt zu sein.
Ein unsicheres Selbstbild verschwindet nicht einfach
Was sich einmal aufgebaut hat, bleibt oft lange bestehen. Wir hinterfragen diese erlernten Regeln nicht mehr, sondern interpretieren das Erlebte so, dass es zu unseren Glaubenssätzen passt.
Sind Sie erst einmal zu dem Schluss gekommen, dass Sie nicht gut sind, dann folgen Ihre Gedanken immer demselben Muster: Was gut läuft, wird schnell relativiert. Was nicht ganz passt, bestätigt nur ihr negatives Selbstbild.
Ein Erfolg fühlt sich weniger nach „Das war ich“ an, sondern mehr nach „Das war Glück“ oder „Das war gar nicht so besonders.“
Und so entsteht mit der Zeit ein immer überzeugenderes Selbstbild. Eines, das sich nicht so leicht verändert, selbst dann nicht, wenn die Realität längst eine andere ist.
Das muss nicht so bleiben
Dieses Gefühl, nicht gut genug zu sein, ist nicht einfach ein Teil Ihrer Persönlichkeit. Es ist etwas, das sich entwickelt hat – aus Erfahrungen, aus Schlussfolgerungen und aus Mustern, die sich über die Zeit gefestigt haben.
Und das bedeutet auch: Es ist nicht unveränderlich. Muster, die gelernt wurden, können auch verändert werden. Das braucht Zeit, regelmäßige Übung und einen anderen Blick auf sich selbst. Doch es ist möglich.
Wenn Sie verstehen möchten, was dabei hilft, diese Muster nach und nach zu verändern:
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